Haus- und Gartenrotschwanz

Rotschwänzchen sind bekannte Vogelarten. Leider ist der Bestand des Gartenrotschwanzes in den letzten Jahren sehr stark rückläufig. Hingegen kann man den Hausrotschwanz in jeder menschlichen Siedlung beobachten. Da er sich oft in Gärten aufhält, wird er häufig für einen Gartenrotschwanz gehalten.

Äußerliche Unterschiede

Der Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros) hat sich als ursprünglicher Felsbewohner im Laufe der letzten Jahrhunderte dem Menschen angeschlossen und ist ihm selbst bis in die Steinwüsten der Städte gefolgt. Charakteristisch für die Rotschwänze ist das ständige Knicksen und Zittern mit dem Schwanz. Typisch ist auch die rostrote Färbung des Schwanzes, die ihnen den Familiennamen gab. Schlicht schwarz und dunkelgrau gefärbt ist das Hausrotschwanzmännchen. Nur ein weißlicher Flügelfleck schafft etwas Abwechslung.

Der Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus) ist in der Wahl des Lebensraumes schon sehr viel anspruchsvoller. Er liebt nicht zu aufgeräumte große Gärten, Streuobstwiesen, Parks und lichte Mischwälder. Auffallend ist seine leuchtend orangerote Brust. Weitere Erkennungsmerkmale sind die weiße Stirn, die schwarze Kehle, schwarze Kopfseiten und die graue Oberseite.

Viel schwieriger ist es, die Weibchen der beiden Rotschwanzarten zu unterscheiden: Sie sehen einheitlich dunkelgraubraun aus und besitzen einen rostroten Bürzel und Schwanz. Allerdings ist das Weibchen des Gartenrotschwanzes insgesamt etwas heller gefärbt. Die Jungvögel ähneln im Aussehen den Weibchen.

Höhlen oder Halbhöhlen

Der Gartenrotschwanz, etwa so groß wie ein Rotkehlchen, ist ein Zugvogel, überwintert im tropischen Afrika und kehrt erst im April in sein angestammtes Brutrevier zurück. Er erweist sich als außerordentlich standorttreu und besiedelt als Höhlenbrüter  gerne jahrelang den gleichen Nistkasten. Durchaus nimmt er auch Meisenkästen mit 32 mm Fluglochweite an, doch bevorzugt er einen Kasten mit ovalem Flugloch oder gar mit mehreren Fluglöchern. Natürliche Baumhöhlen werden ebenfalls besiedelt, doch sind sei bei seiner Rückkehr oft schon von anderen Höhlenbrütern besetzt.

Das Nest wird locker aus dürren Blättern (Erkennungsmerkmal) und Halmen gefertigt und innen mit Tierhaaren und zahlreichen Federn ausgepolstert. Das Ausbrüten der 5 bis 7 einfarbig blaugrün gefärbten Eier übernimmt das Weibchen. Nach zweiwöchiger Brutzeit schlüpfen die Jungen und werden dann  von beiden Eltern aufgezogen. Nach weiteren 2 Wochen fliegt die Brut aus und schon nach 7 bis 10 Tagen sind die Jungvögel selbständig. Bei uns brütet der Gartenrotschwanz nach eigenen Beobachtungen nur einmal im Jahr, obwohl man in der Literatur immer wieder lesen kann, dass er zweimal brütet.

Im Gegensatz zum Gartenrotschwanz zieht der Hausrotschwanz als Brutplatz Halbhöhlen vor. Dabei erweist er sich keinesfalls als wählerisch. Er findet einen Platz für sein Nest in Mauernischen, auf dem Dachgebälk, in verlassenen Schwalbennestern, hinter Rollläden, unter Dachrinnen, in Bretterstapeln und künstlichen Halbhöhlen. Als Lebensraum dienen Haus, Hof und Garten, egal, ob in der Stadt oder auf dem Land.

Das Nest des Hausrotschwanzes ist am umfangreichen lockeren und mit viel Würzelchen und Halmen gefertigten Grundbau leicht zu erkennen. Innen wird es mit reichlich Tierhaaren und Wolle gut ausgepolstert. Das Gelege besteht aus 5 bis 6 weißen Eiern. Die Brut- und Nestlingszeit beträgt ebenfalls 2 Wochen, gebrütet wird jedoch zweimal im Jahr. Leider fällt das Gelege oder die junge Brut in solchen Halbhöhlen sehr oft Nesträubern, z.B. Rabenvögeln, zum Opfer. Sie können sich leicht an der Öffnung festklammern und das Nest plündern. Zudem sind die Höhlen leicht auffindbar.

Sind die Jungen ausgeflogen, werden sie noch etwa 10 Tage versorgt, bevor sie selbständig sind. Kommt man soeben ausgeflogenen Hausrotschwänzchen zu nahe, machen die Eltern mit unaufhaltsamen „Teckteckteck“-Rufen einen Riesenspektakel und sind kaum zu beruhigen.

Erst Ende Oktober verlässt uns der Hausrotschwanz und kehrt bereits im März aus seinem Winterquartier aus West- und Südeuropa zurück. Mann kann ihn ebenfalls als standorttreu bezeichnen, findet er sich doch jedes Jahr im gleichen Revier wieder ein.

Schutzmaßnahmen

Um den Rückgang des Gartenrotschwanzes Einhalt zu gebieten, ist es in unserer weitgehend ausgeräumten Landschaft außerordentlich wichtig, die Restbestände der Streuobstwiesen zu erhalten. Neben Steinkauz, Wendehals, Spechtarten und Wiedehopf zählt der Gartenrotschwanz zu den eng an dieses Biotop gebundenen Vertretern aus der Vogelwelt. Er gilt als Charaktervogel der Streuobstwiese.

Garlef Steinborn, Worms

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